Ich kam am 05. Mai 2008 zu Kultur auf Rädern mit großer Lust zu Spielen, erstmal egal was. Ich hatte große Lust, auszuprobieren, ob ich das kann, mich in eine Figur, die nicht ich ist einzufühlen, die in einer bestimmten Situation steckt und das dann authentisch, glaubwürdig, nicht peinlich (außer natürlich genau das ist gefordert) darzustellen.

Das erste kleine Projekt war ein kurzes Krimi-Hörspiel mit Sozialpädagogik-Studenten der FH-München. Ich durfte als Nachrichtensprecherin ein paar Sätze aufnehmen und bekam gleich mal mit, mit was für tollen, ausdruckstarken Kollegen ich es von nun an zu tun haben würde.
Das große Projekt aber bestand in den Proben für eine Wiederaufführung der Theater-Collage "Mythos Schöpfung" Ende Juni.
Die Gruppe hatte daran bereits ein halbes Jahr gearbeitet und das Stück schon im Völkerkundemuseum aufgeführt. Es bestand aus verschiedenen Elementen an denen mit jeweils einem Mitarbeiter gearbeitet wurde.

Zwei Szenen, in denen Köche mit verschiedensten Eigenarten aus Gemüse Tiere schnitzen und die Ursuppe kochen entstanden unter der Leitung von Brigitte Eußner. Ich kam in eine bereits bestehende Szene und mußte mich dort integrieren, ich wählte eine junge, sehr kokette weibliche Koch-Figur für mich und sang mit einer anderen laut ein kurzes Lied. Ich merkte auch gleich, dass bei Kultur-auf-Rädern Kreativität in jeder Hinsicht gefragt ist, denn seine Koch-Mütze durfte jeder selbst entwerfen und "bauen", auch das Gemüse schnitzen war geil, ich hab mich für eine Paprika-Katze entschieden, das werd ich mein Leben lang nicht vergessen!

Mit Andrea Messerschmidt arbeiteten wir an einer Clowns-Szene, wozu wir viele grundlegende Übungen machten, wie verschiedenste Gefühle darstellen, Alltagsszenen ohne Requisiten pantomimisch darstellen und nach ausgefallenen Aufgabenstellungen improvisierten.
Das hat mir irre Spaß gemacht, das Spiel mit den roten Nasen und den Koffern, die wir in der Szene durch die Welt trugen und das Kindliche, Offene, für jede kleine Freude Empfängliche und so viel Freude Ausstrahlende dieser Clowns-Figuren und die feine Komik, die gar nicht platt war, wie ich es irrtümlich erwartet hatte.

Sehr genial fand ich auch die moderne Choreographie von Lotte Holmskov, jeder hatte eine selbstgewählte Bewegung, die maschinengleich immer wiederholt wurde, dann ein Übergehen in Wasser-Moleküle, die wild für sich tanzen dann zusammenkommen und fließen. Die Kostüme schwarz mit selbst genähten weißen Akzenten. Wunderschön war das und ein tolles Gefühl, dabei sein zu dürfen.

Unter der Leitung von Kaline Versmold hatten die Teilnehmer kurze Konfliktszenen ausgedacht und geprobt. In Wochen vor der Wiederaufführung fielen sehr plötzlich und unerwartet drei Teilnehmer weg wodurch ich die Chance bekam, gleich in mehreren dieser Szenen einzuspringen, was ich sehr gern tat. Ich durfte z.B. als Telecom-Kundin an einem völlig ahnungslosen, lethargischen Telecom-Mitarbeiter verzweifeln und als jugendlicher Rowdie einen alten Mann in der U-Bahn verprügeln.

Obwohl ich sehr Angst hatte, die Szenen nicht so gut zu spielen wie meine Vorgänger -war ich in diesen doch nicht Teil der Gruppe wie bei den Clowns-, Koch- oder Tanzszenen sondern plötzlich für mich auf der Bühne und auch noch vergleichbar mit denen die genau das gleiche davor gespielt hatten- hat die Freude überhaupt Spielen zu dürfen doch bei weitem überwogen nicht zuletzt weil ich von den anderen Teilnehmern sehr unterstützt und motiviert wurde.